Sonntag, 04.08.2019

Tatort:  Weibern, 04.08.2019

Verbrechen: Mord

Höchststrafe: Genugtuung

Ein Tag aus dem Leben eines Massenmörders.

Rückblick 5:00-5:30 in der Früh:

„Neiiiin“, „Ahhhhhh“,   „Wie kannst du nur“, „Neiiiiin“.

8:00 Uhr am gleichen Morgen:

Meine Augen öffneten sich schussartig nach einer kurzen Nacht.

Ich war mir für einen kurzen Augenblick nicht mehr wirklich sicher….

War das heut Nacht wirklich passiert oder war es nur ein Traum?

Das Adrenalin floss noch durch meine Adern.

Der Geruch von frischem Blut lag noch in der Luft.

Habe ich noch ein Gewissen oder bin ich wirklich so gefühlskalt?

NEIN! Sie hatten es verdient!

Ich hatte 1 Halb-Erwachsenen und 6 Kinder am frühen Morgen in einen Hinterhalt gelockt und sie kaltblütig ermordet.

Es war wie eine Sucht.

Jede einzelne Tat löste eine Art von Freudengefühlen in mir aus.

Als ich das Bett dann verließ, um zum Frühstück zu gehen, hatte ich schon wieder nur eine Sache im Kopf: „Wo ist mein nächstes Opfer und wie kann ich es erledigen“

Aber jetzt musste ich erst einmal meine Gedanken zügeln und in meine Rolle, den unschuldigen und wie immer netten Betreuer von nebenan, schlüpfen.

Beim Frühstück hörte ich schon, wie an jeder Ecke über das Massaker in der Nacht geredet wurde.

Es fühlte sich wie ein großer Erfolg an.  Bin ich wirklich noch normal? Ich weiche bestimmt etwas von der Norm ab, aber was soll´s, c´est la vie, so ist das Leben. Oder wohl eher: So ist mein Leben, das Morden gehört halt dazu.

Beim Frühstück fiel mir wieder ein: „Sei vorsichtig und lass dich nicht von deinen unbekannten Feinden zu einem Fehler verleiten. Er könnte dir das Leben kosten.“

Aber jetzt musste ich mich erst einmal so verhalten, als ob nichts gewesen sei.

Nach dem Frühstück standen die Vorbereitungen des Schützenfestes im Mittelpunkt.

Die Mädchen trafen sich zum Röschen machen und die Jungs hatten die Aufgabe, einen prächtigen Kranz zu binden. Wir holten die dafür notwendigen Äxte, Sägen, Messer… Alles bekannte Geräte für mich. Und da schossen mir meine Mordgedanken wieder in den Kopf. Wann kann ich endlich wieder unbemerkt töten?

Beim Gang durch den Wald machten wir einige brauchbare Tannen aus, fällten diese, und banden einen exorbitanten Kranz. Ich fragte mich, ob mein nächstes Opfer wohl schon etwas ahnte oder von meinem Auftrag wusste. Letzteres würde das Morden natürlich deutlich erschweren.

Nach den Vorbereitungen für das Schützenfest schossen zwei der weiblichen Aufsichtspersonen noch Phantombilder mit den Polaroidkameras. Ich konnte mich erfolgreich davor drücken. Ich frage mich nur, wann das auffällt.

Als Nachmittagsprogramm nutzen wir das gute Wetter und gingen das erste Mal ins Freibad. Ein hervorragender Ort um weiter zu morden. Aber vielleicht doch nicht. Wie sollte ich eine Wasserleiche unbemerkt entsorgen? Außerdem befanden sich an jeder Ecke Zeugen. Die Kinder versuchten natürlich wieder den ganzen Nachmittag uns Betreuer zu döppen. Wie immer ein aussichtsloses Vorhaben. Ich musste mich beim Abwehren der amateurhaften Versuche sehr zurückhalten. „Lass die Kinder nicht zu viel Wasser schlucken, wie lange können sie ohne Luft aushalten?  Lass sie nicht zu lange unten, zu viele Zeugen“. Es dauerte keine 5 Minuten, da zogen wir auch schon die Aufmerksamkeit der Bademeisterin auf uns. Es hatte bestimmt mit absoluter Sicherheit nichts mit dem rabiaten Verhalten der Kiddies zu tun. Manchmal ging es eben doch mit uns durch.

Nach dem langen Fußmarsch zurück in unsere Unterkunft (bestimmt 10m) machten wir uns alle etwas schick, um uns auf den Lagerfotos vom besten Licht zu zeigen.

In der Eile hätte ich beinahe die Hose vom Vorabend angezogen, welche ja vom Blut am Morgen bespritzt wurde. Aber Gott sei Dank fiel es mir im letzten Moment noch auf. Dieser Geruch von kaltem Blut ließ meine Gedanken an die Fotos wieder abschweifen. Wann kann ich endlich wieder meiner Leidenschaft von Blut und Adrenalin nachgehen? Die Fotos wurden dann auch endlich geschossen und  die Dienste erledigt.

Der nächste Programmpunkt stand schon vor der Tür, der Casino-Abend. Wieder ein Ort mit vielen Menschen und Zuschauern. Aber vielleicht ließ sich ja ein Opfer zwischen dem ganzen Gezocke und Gemampfe von mir in einen Hinterhalt locken. Bevor ich aber einen Versuch starten konnte, wurden schon wieder Fotos geschossen. Diesmal von den Spielmastern – uns verkleideten Betreuern.

Ich hasse es. Immer wieder Fotos. Die gut gekleideten Kinder durften alle die Spielhalle betreten. Schnell schlugen einige meiner Mitstreiter zu. Sollte ich es auch tun? Jetzt? Hier? Nein, zu viele Spieler an meinem Tisch, zu viele Zeugen.

Glücklicherweise war es nicht meine Aufgabe noch in dieser Nacht den Sieger des Casinoabends (994 Punkte) zu töten. Oft genug spielte er zwar an meinem Tisch, aber: Nicht meine Aufgabe, denn er war bereits tot. Es war Mika Vennekötter. Mika spielte seiner Gruppe auch den Sieg des Casinoabends ein. Den zweiten Platz belegte Gruppe Trapez. Dritter wurden die Dreiecke, Vierter Gruppe Kreis. Auf dem letzten Platz landeten somit die Quadrate.

Jetzige Uhrzeit 01:30. Die Kinder schlafen. Die Nachtruhe wird eingehalten, denn alle haben Angst ansonsten morgen nicht mit in den Freizeitpark fahren zu dürfen. Morgen? Werde ich es morgen wagen? Nein, ich kann nicht mehr. Den ganzen Tag nicht gemordet. Ich muss es jetzt noch tun. Die Sucht treibt mich an. Ich habe mein nächstes Opfer schon ausgemacht. Die Nacht ist noch jung.

In Gedenken an meine heutigen Opfer: Hannes, Malte, Lia, Elena, Max, Aaron und Joyce

In Gedenken an weitere Opfer: Tessa, Hannah und Ida

(Bööörnd und Änis)